Ein Jubiläum der besonderen Art

Automobildiagnostiker/-innen

Ein Jubiläum der besonderen Art

10. Dezember 2021 agvs-upsa.ch – «Selbständig, entscheidungsfreudig und hartnäckig.» Mit diesen drei Adjektiven umschreibt Werner Bieli das Wesen eines Automobildiagnostikers. Zum bereits 200. Mal in der Geschichte des AGVS fand eine Berufsprüfung dieser höheren Berufsbildung statt.


Konzentriert auf Fehlersuche: Ein angehender Automobildiagnostiker während der Berufsprüfung. Fotos: AGVS-Medien

sco. Die Geschichte dieser höheren Berufsbildung reicht bis ins Jahr 1991 zurück. Nicht ganz so lang, aber immerhin seit 20 Jahren, prägt Werner Bieli den Lehrgang zum/zur Automobildiagnostiker/-in mit eidgenössischem Fachausweis. Von 2002 bis 2014 als Mitglied der Prüfungskommission, seither als deren Präsident. Zwei oder drei Jahre wird er noch anhängen. «Bis die neue Prüfungsordnung und die dazugehörende Wegleitung erstellt sind. Ich hoffe, meine Kommissionskollegen können mich noch so lange ertragen…», scherzt Werner Bieli (Bild rechts).
 
Werfen wir einen Blick zurück ins Jahr 1991: Die Sowjetunion löst sich auf, Flavio Cotti ist Schweizer Bundespräsident, der britische Informatiker Tim Berners-Lee vom CERN in Genf startet das World Wide Web und Fahrzeuge wie der Opel Frontera, der Hyundai Lantra und der VW Golf III kommen auf den Markt. Keine Autos, die als besonders revolutionär in die Automobil-Geschichte eingehen. Trotzdem wuchsen der Umfang und die Komplexität der Technik in diesen Jahren derart, dass ein neues Berufsbild geschaffen werden musste. Werner Bieli: «Die Diagnosesystematik am Auto hat durch die Einführung der Elektronik stark an Bedeutung zugenommen und die Mechanik wurde etwas in den Hintergrund verdrängt. Will heissen, dass die Ausbildung des Automobildiagnostikers eben spezifisch auf die Diagnose zugeschnitten wurde. Eine gezielte, systematische Fehlersuche an den Teilsystemen eines Fahrzeuges stand und steht im Mittelpunkt der Ausbildung eines Diagnostikers.»
 

Automobildiagnostiker sind Allrounder und Generalisten mit ausgezeichnetem technischem Fachwissen.

In den mehr als 30 Jahren wurde der Lehrgang laufend an die aktuellen Erfordernisse angepasst. Einen «Meilenstein» nennt Werner Bieli die neue Prüfungsordnung 2004, mit der die Ausbildung modularisiert wurde. Die insgesamt zwölf Module beschrieben die Ausbildungsinhalte der einzelnen Teilsysteme: die Module 1 bis 6 mit Grundlagenkenntnissen, Module 7 bis 9 mit Teilsystemkenntnissen von Personenwagen. Und für die Lastwagen wurden die Module 10 bis 12 erarbeitet. «Somit fand erstmals in der Geschichte des Diagnostikers eine echte Spezialisierung und Trennung von Personenwagentechnik und Nutzfahrzeugtechnik statt.»
 
Zehn Jahre später wurde diese modulare Ausbildung von einer an Kompetenzbereichen orientierten Ausbildung abgelöst. Die Berufsprüfung konnte nicht mehr durch Bestehen von einzelnen Modulen, sondern durch Absolvieren einer vernetzten Schlussprüfung kompakt abgeschlossen werden. Zusätzlich wurde die Berufsprüfung Werkstattkoordinator/-in EFA realisiert. Werner Bieli: «Eine Analyse zeigte damals auf, dass nicht-technische Kenntnisse in die Ausbildung integriert werden mussten. Man kam zum Schluss, dass eine Integration von methodisch-didaktischem Fachwissen sowie von Führungs- und Werkstattprozesskenntnissen zusätzlich zum bestehenden technischen Ausbildungsinhalt den Rahmen sprengen würde.»
 
Mittlerweile arbeiten Werner Bieli und seine Kommissionskollegen wieder an einer neuen Prüfungsordnung. «Das Schwergewicht der Antriebstechnologien hat sich sprunghaft verändert. Die fossilen Treibstoffe werden durch Elektro-, Hybrid oder auch Gasantriebe verdrängt. Diese Tatsache bedingt auch eine Verschiebung von Ausbildungsschwergewichten. Ab 2022 werden angehende Diagnostiker und Werkstattkoordinatoren im Bereich der alternativen Antriebssysteme ausgebildet und geprüft. Dadurch muss auch eine Teilrevision der bestehenden Prüfungsordnung stattfinden.»
 
Rund 170 Automobildiagnostiker und Werkstattkoordinatoren legen jährlich die Berufsprüfung ab. Dennoch bleibt die Fachkräftesituation auch in diesem Bereich angespannt. Durch ihre breit gefächerte, fundierte Ausbildung sind diese Berufsleute auch in anderen Branchen sehr begehrt. «Das bedeutet, dass sich nicht wenige für andere Berufssparten interessieren und dann leider für unser Gewerbe verloren gehen. Darum ist es wichtiger denn je, dass unsere Ausbildung zeitgemäss, fundiert und interessant angeboten wird. Nur so können wir gute Diagnostiker und Werkstattkoordinatoren für uns gewinnen», sagt Werner Bieli.
 
Denn auf diese Allrounder und Generalisten mit ausgezeichnetem technischem Fachwissen ist die Branche angewiesen. Das war 1991 so und das wird 2031 nicht anders sein.

 Prüfungsexperten gesucht
 
Ohne Experten keine Berufsprüfung. Jedes Jahr sind rund 300 Experten an den Prüfungen zum/zur Automobildiagnostiker/-in mit eidgenössischem Fachausweis für den AGVS im Einsatz. Der Verband sucht daher laufend Prüfungsexperten für diese höhere Berufsbildung.
Voraussetzung ist ein Abschluss als Automobildiagnostiker/-in EFA sowie mindestens drei Jahre Erfahrung als Experte an Lehrabschlussprüfungen. Der zeitliche Aufwand liegt zwischen zwei und fünf Tagen pro Jahr.
Interessierte melden sich bei Hansruedi Ruchti: hansruedi.ruchti@agvs-upsa.ch


Die Prüfungsexperten der 200. Berufsprüfung «Automobildiagnostiker/-in EFA».

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